Heinz Holligers Traumoper

Uraufführung von «Lunea» im Opernhaus Zürich

 

Von Peter Hagmann

 

Der Dichter und seine Frauen: Heinz Holligers Oper «Lunea» in Zürich / Bild Paul Leclaire, Opernhaus Zürich

Was für ein wunderschönes Stück. Was für ein anregendes Stück. Ein Stück von heute. Eine Oper. Was heisst hier «Oper»? «Lunea» widerspricht ungefähr allem, was man gemeinhin mit Oper verbindet. Zu erleben ist vielmehr Musiktheater der dichtesten Art.

Dunkel ist’s. Rabenschwarz. Eine quadratische Öffnung lässt sich erahnen; sie nimmt Kontur an, wenn das Licht, das Franck Evin von oben hereinfallen lässt, den Blick freigibt auf die mit wenigen Strichen gezeichneten, sparsam bewegten, in einen silbernen Ton gefassten Bilder, die der Regisseur Andreas Homoki erdacht hat. Zu sehen sind Damen im Reifrock mit Schirm und Herren im Gehrock mit Zylinder – scharf charakterisieren die Kostüme von Klaus Bruns. Dazu hat der Bühnenbildner Frank Philipp Schlössmann hier einen Salontisch, dort ein Biedermeiersofa, bisweilen auch nur einen Sessel bereitgestellt. Mehr braucht es nicht, es spricht deutlich genug.

Mag sein, dass es so ausgesehen hat im Kopf des Nikolaus Lenau – des berühmten Dichters der Schumann-Zeit, dessen einzigartiger Ruf nicht zuletzt auf die zahlreichen Vertonungen seiner Verse zurückging. Immer wieder dieses Dunkel, immer wieder diese Erinnerungsfetzen, zum Beispiel an die diversen Frauen, denen der Dichter zugetan war, denen er aber doch nicht nahe kommen konnte. Und dann dieser Blitz, wohl ein Schlaganfall, der am 29. September 1844 den in geselliger Runde singenden Lenau traf, ihm die eine Hälfte des Gesichts lähmte und ihn auf eine Schleuderfahrt hinab in die Unterwelt des Wahnsinns trieb.

Ver-rückt war er, so sagten sie damals, so sagen wir heute. Auch Heinz Holliger sagt es – obwohl er für die geläufige Verbindung zwischen Wahnsinn und Genie wenig übrig hat. Wenn etwas Aussergewöhnliches entstehe, sei immer eine Spur Verrücktheit im Spiel; ohne diese Spur komme zum Beispiel ein Komponist nicht über das Niveau von Czerny hinaus. Es gibt genügend Beispiele in dieser Richtung, Heinz Holliger kennt sie. Dem im Turm eingesperrten Hölderlin galt seine Aufmerksamkeit im «Scardanelli-Zyklus», dem internierten Robert Walser in seiner 1998 in Zürich uraufgeführten Oper «Schneewittchen», dem Maler und Geiger Louis Soutter im Violinkonzert von 2002. Jetzt also Nikolaus Lenau, der 1850 im Alter von nur 48 Jahren in einer psychiatrischen Klinik bei Wien starb.

Den Dichter kannte Holliger schon lange. Dem Patienten begegnete er, als ihm vor Jahren Lenaus «Notizbuch aus Winnenthal» in die Hände fiel. In diesen Aufzeichnungen aus einer psychiatrischen Klinik bei Stuttgart finden sich Lebens-Sätze, die in Form wie Inhalt weit über die Gedichte Lenaus hinausgehen. An ihnen hat sich Holligers Phantasie entzündet; einige hat er zur Grundlage für einen Vokalzyklus mit dem Titel «Lunea» gemacht. Die 23 Sätze für Bariton und Klavier oder 23 Instrumentalisten von 2013 bilden das Gerüst von «Lunea», der abendfüllenden Oper Holligers, die vom Opernhaus Zürich bestellt und jetzt zu bejubelter Uraufführung gebracht worden ist. Händl Klaus, der ebenso versierte wie phantasiebegabte Librettist, hat die Leitsätze neu angeordnet und durch weitere Satzfragmente ergänzt. In einem Akt berührender Empathie hat sich der Librettist in das Leben und das Schreiben Lenaus eingegraben; jedes Wort im Textbuch zu «Lunea» stammt von Lenau.

Eine Geschichte wird nicht erzählt. Jenseits jeder Logik, vielmehr nach der Art eines Traums werden Situationen evoziert, die sich mit dem Leben Lenaus in Verbindung bringen lassen. Einige seiner Frauen ziehen vorbei, etwa die verheiratete Sophie von Löwenthal, die Lenau besitzen, aber nicht haben wollte, die manisch verehrte Mutter oder der unverbrüchlich treue Schwager Anton Schurz. Das fügt sich in Zürich zu einem Bilderbogen, der durch eine schwarze Wand gegliedert wird. Formal bestimmend ist dabei das Verfahren der Symmetrie, wie es sich schon im Werktitel, einem Anagramm des Dichter-Namens, niederschlägt. Ihren Ursprung findet diese Idee im Wirken des Psychiaters und Schriftstellers Justinus Kerner, eines Freundes von Lenau, der Tintenkleckse auf einem Papier durch dessen Faltung verdoppelt hat (was ein knappes Jahrhundert später im Rorschachtest wiederaufgenommen wurde). Ab der Mitte der Oper läuft vieles rückwärts, werden auch Schlüsselworte in ihre buchstabengetreue Umkehrung gesetzt. Und die teilende Wand, die in der ersten Hälfte des Abends von links über die Szene fährt, nimmt ihren Weg im zweiten von rechts. Selbst die Logik der Zeit, so Holliger, sollte in seiner Oper aufgehoben sein.

Als Rezipient wird man durch das Stück in eine Art Schwebezustand versetzt, was die Musik in ihrer Weise nachhaltig unterstützt. Schon allein durch ihre Langsamkeit, die der Komponist am Dirigentenpult mit einer Radikalität sondergleichen realisierte. Vor allem aber fesselt die Partitur durch den Reichtum ihrer Assoziationen. Holligers Musik, so enigmatisch sie in einem ersten Höreindruck erscheinen mag, wirkt in ihrer Weise doch sehr beredt, und das auf vielen Ebenen, strukturell wie klanglich. Manche Einzelheit der musikalischen Formung reflektiert das Leben Lenaus (oder jenes des Komponisten). Und durch die Verwendung tradierter Modelle wie der barocken Floskel des passus duriusculus, des Abstiegs in Halbtönen als Ausdruck höchsten Schmerzes, werden mit kleinen Zeichen grosse Wirkungen erzielt. Das alles in einem äusserst delikaten Klangbild. Leise, farbenreich und äusserst vielgestaltig kommt die Musik daher; sie fordert höchste Aufmerksamkeit und belohnt den Zuhörer durch eine Sinnlichkeit, wie sie sich in der neuen Musik nicht von selbst versteht. Ein Spätwerk ist Holligers «Lunea», getragen von in langen Jahren gereiftem Handwerk, belebt durch nicht versiegende Inspiration, hochgetrieben bis zum Manierismus. Eben: überaus anregend und wunderschön.

Der Regisseur Andreas Homoki und seine Mitstreiter haben absolut bezwingend, um nicht zu sagen: genau richtig auf die Partitur reagiert, nämlich musikalisch. Wie der Komponist und sein Librettist arbeiten sie mit Assonanzen und Andeutungen, konkret in der Erscheinung und abstrakt in der Bedeutung. Und Christian Gerhaher in der Titelpartie ist darum eine Idealbesetzung, weil dieser Tage kein Sänger so ausgeprägt von der Sprache her denkt wie der deutsche Bariton mit seinem herrlich zeichnenden Timbre. Ebenbürtig stehen ihm Juliane Banse als Sophie von Löwenthal und Ivan Ludlow als Anton Schurz, aber auch Sarah Maria Sun und Annette Schönmüller zur Seite. Die von Raphael Immoos geleiteten Basler Madrigalisten und die 34 Mitglieder der Philharmonia Zürich tragen das Ihre zu einer Produktion bei, die von der ungebrochenen Gegenwärtigkeit des Musiktheaters zeugt.

Weitere Vorstellungen am 8., 13., 15., 18., 23. und 25. März 2018.

Hindemith – neu entdeckt

«Das Marienleben» mit Rachel Harnisch und Jan Philip Schulze

 

Von Peter Hagmann

 

Ganz so heilig ist es vielleicht doch nicht zugegangen. Im Gedichtzyklus «Das Marien-Leben» von Rainer Maria Rilke erscheint der jungen Frau zwar ein Engel, aber die Blicke, die in diesem Augenblick zwischen den beiden hin- und hergehen, sagen mehr, als die kirchliche Überlieferung nahelegt. Kein Wunder, begehrt der Zimmermann Joseph angesichts der offenkundigen Konsequenzen auf – so sehr, dass es einer energischen Intervention des Engels bedarf. In der Folge zieht das Leben Jesu in dichter Raffung vorbei. Wie Maria nach der Kreuzigung den Leichnam ihres Sohnes an sich nimmt, breitet sich eine Zärtlichkeit aus, die auf das nächste Gedicht verweist; es schildert, wie der Auferstandene seiner Mutter begegnet: in einer Verbundenheit, deren Innigkeit der körperlichen Berührung nicht mehr bedarf.

Und ganz so spröde, wie es das Vorurteil will, klingt es hier auch nicht. Die Musik, die Paul Hindemith für den Gedichtzyklus Rilkes erfunden hat, atmet ihre ganz eigene Sinnlichkeit. Gewiss, die vokale Linienführung ist anspruchsvoll, und der Klavierpart bietet nicht Begleitung herkömmlicher Art, er verkörpert klare formale Prinzipien – zumal in der zweiten Version der Vertonung, die Hindemith 1948, ein Vierteljahrhundert nach einer erste Niederschrift des Liederzyklus, abgeschlossen hat. Ostinate Verläufe, wie sie die Passacaglia ausprägt, stellen sich hier zur Singstimme, Themen mit Variationen und oft auch einstimmige Passagen. So kommt es zu einem Austausch zwischen dem Gesungenen und dem Gespielten, wie er in dieser Intensität einzigartig ist.

Genau darauf setzen die Schweizer Sopranistin Rachel Harnisch und der deutsche Pianist Jan Philip Schulze in ihrer bei Naxos erschienenen Aufnahme von Hindemiths «Marienleben» in der Fassung von 1948. Ihr Zusammenwirken ist denkbar weit entfernt von der Vorstellung einer solistisch geführten Singstimme und eines untermalenden Klaviers. Jan Philip Schulze, ein auf dem Feld des Kunstlieds höchst erfahrener Musiker, gestaltet den Klavierpart geschmeidig und klangschön, vor allem aber stellt er ihn selbstbewusst in den Raum, das erschliesst sich dem Hören bei der ersten Begegnung.

Er kann das tun, weil Rachel Harnisch das Konzept der musikalischen Partnerschaft ihrerseits so lebhaft wahrnimmt. Die reifer gewordene Stimme der Sopranistin, die eben erst in Berlin in der Uraufführung von Aribert Reimanns jüngster Oper «L’Invisible» brillierte, verströmt so viel Wärme und Fülle, dass sie neben den pointierten Beiträge des Pianisten problemlos zu bestehen vermag – ja mehr noch: dass sie die eigenartige Sinnlichkeit der Komposition voll zur Geltung bringt. Die Sängerin gestaltet eben, und sie tut das mit eindringlicher Emphase, hörbar aus den wunderbaren Texten Rilkes heraus, mit vorzüglicher Diktion, aber auch mit so bestechender Sorgfalt der vokalen Ausformung, dass die Balance im Duo jederzeit gegeben ist. Von fröhlichen Weihnachten wird da berichtet und von einem zum Täufer ausersehenen Johannes, der schon im Bauch seiner Mutter strampelnd seiner Vorfreude Ausdruck gibt. Und zu entdecken ist in dieser Aufnahme ein unverkennbarer, aber in gewisser Weise neuer Hindemith.

Paul Hindemith: Das Marienleben (Fassung von 1948). Rachel Harnisch (Sopran), Jan Philip Schulze (Klavier). Naxos 8.573423 (1 CD).

«I muess rede, süscht wurgets mr d Seel ab»

«Marie und Robert» von Jost Meier als Uraufführung im Stadttheater Biel

 

Von Peter Hagmann

 

Geani Brad (Robert) und Leila Pfister (Marie) im Stadttheater Biel / Bild Frances Marshall, Theater Orchester Biel Solothurn

Marie liebt Robert, geht dann aber auf Nummer sicher und heiratet den begüterten, einflussreichen Theophil. Robert wiederum liebt Marie, leidet jedoch an seinem unterlegenen sozialen Status als Arbeiter, an seinem schlechten Lohn und der damit verbundenen Zurücksetzung. Theophil schliesslich ist so eifersüchtig auf Robert, dass er ihn die Macht des Gläubigers spüren lässt und ihn mit steigenden Zinsforderungen in die Enge treibt. Marie will Robert mit Geld ihres Mannes helfen, Theophil entdeckt die beiden und wird von Robert erschlagen. Als einzige Zeugin beteuert Marie vor Gericht, dass es sich um einen Unfall gehandelt habe, und legt einen falschen Eid ab. Endlich vereint, kommen die beiden aber nicht zusammen; zu viel steht zwischen ihnen.

Der Plot ist so gut, dass er wahr sein könnte. Er stammt aus «Marie und Robert», dem Drama des früh verstorbenen Aargauer Pfarrers, Lehrers und Schriftstellers Paul Haller, dem bedeutendsten Vertreter des Naturalismus in der Schweiz. Unglaublich stark ist dieser Text, wenn auch nicht einfach zu lesen. Er ist in einem pointierten Schweizer Dialekt geschrieben, der in seiner schriftlichen Form einiges an Entschlüsselung verlangt. Vielleicht aber wirkt das Stück gerade darum so direkt, so eindringlich. Es rufe förmlich nach Musik, fand Dieter Kaegi, der Intendant des «Theater Orchester Biel Solothurn», wie sich die kleine, aber äusserst lebendige Oper in der Schweizer Uhrenmetropole Biel heute umständlich genug zu nennen hat. In Jost Meier hat er den lange gesuchten Komponisten gefunden – den genau richtigen, denn nicht nur hat der 78-jährige Musiker in Biel als Orchestergründer und Chefdirigent eine wichtige Rolle gespielt, als eingefuchster Theaterpraktiker weiss Meier auch, wonach die Bühne verlangt.

So wurde «Marie und Robert» denn von Hans Jörg Schneider, dem bekannten Schweizer Schriftsteller, einem langjährigen Freund und Mitstreiter des Komponisten, in ein Libretto umgeformt – und dabei ins Hochdeutsche übersetzt. So sehr man das im Hinblick auf die Verbreitung der Oper verstehen kann, so sehr muss man es bedauern. Höhepunkt der als Ganzes grandiosen Uraufführung im Stadttheater Biel war nämlich ein Monolog, in dem das Innere Roberts zu sprechen beginnt: «I muess rede, süscht wurgets mr d Seel ab.» Ja, die Stelle ist im originalen Dialekt geblieben, sie ist als Melodram eingerichtet, als gesprochener Text zu instrumentaler Musik, und vorgetragen wird sie von einem jungen Mädchen in unschuldigem Weiss (die Kostüme stammen von Katharina Weissenborn). Mit welchem Selbstbewusstsein, welcher Souveränität und welcher Ausstrahlung Shirin Patwa das tat, gehört zum Erstaunlichsten an diesem Abend. Zu spüren war aber auch, wie viel auf dem Weg vom Drama zum Libretto und vom Dialekt zur Schriftsprache verloren gegangen ist.

Das gilt auch für einzelne Figuren. Frau Schödler zum Beispiel, die Mutter des Titelhelden, ist bei Haller nicht bloss die am Alter leidende Frau, als die sie das Libretto zeigt, sondern auch eine arge Strippenzieherin, die das Geschehen mit hinterhältigem Nachdruck in ihrem Sinn zu lenken versucht. Und in ihrem Sinn wäre es, wenn sie bis ans Ende ihrer Tage in dem Häuschen verbleiben könnte, das die Erbschaft ihres verstorbenen Gatten darstellt, und wenn sie ihren Sohn, der lieber nach Amerika auswandern und ein neues Leben beginnen möchte, bei sich behalten könnte – weshalb sie Marie als ihren Köder mit Worten umgarnt. Tritt dieser Zug in Haller Stück als dramaturgisches Movens klar und deutlich heraus, geht es im Libretto weitgehend verloren; die Figur verliert damit an Prägnanz – das ist der Preis der Raffung, die der Operntext verlangt. Einiges davon kompensiert Franziska Hirzel, welche die Partie dieser bösen Mutter stimmlich grossartig meistert, durch ihre starke, anhaltende Bühnenpräsenz.

Und das trotz der etwas zu bewegungsreichen Inszenierung Reto Nicklers. Geschickt gelöst hat der Bühnenbildner Christoph Rasche die fast filmisch raschen Wechsel zwischen Innen und Aussen. Und der (von Valentin Vassilev vorbereitete) Chor ist so schwarz gekleidet und geschminkt, dass er beinah im Hintergrund verschwindet. Allerdings setzt die Produktion das Stück von 1916 ins Umfeld des Landesstreiks vom Herbst 1918. Das hat insofern seine Plausibilität, als der Unmut der Arbeiterschaft nicht erst 1918 auf einen Schlag ausgebrochen ist, sondern sich in den Jahren zuvor schon aufgestaut hat. Die in die Oper einmontierten Zitate von General Wille und dem späteren SP-Bundesrat Nobs wirken aber anachronistisch. Zudem wird mit zwei dem Werk angefügten Sätzen ein in seiner Direktheit nicht unproblematischer Zusammenhang zwischen der innerlich zerrissenen Hauptfigur und dem Suizid ihres Erfinders Paul Haller im Frühjahr 1920 hergestellt.

Solcher Einschränkungen zum Trotz bietet «Marie und Robert» Stoff für einen ausnehmend anregungsreichen Abend. Die Musik Jost Meiers, im weitesten Sinn avantgardistischen Idiomen verpflichtet, arbeitet mit fasslichem Klang, was auch das Sinfonie-Orchester Biel unter der Leitung seines Chefdirigenten Kaspar Zehnder hörbar macht. In eindringlichen Farben erzählt sie die schauerliche Geschichte. Und Leila Pfister (Marie), Geani Brad (Robert) sowie Boris Petronje (Theophil) sorgen mit ihrem Können und ihrem Engagement dafür, dass diese Dreiecksbeziehung zu ihrer fatalen Erfüllung findet. Ob Robert mit seinen aufgehäuften Schuldgefühlen tatsächlich als Schweizer Wozzeck gesehen werden kann, wie an der Premiere gesagt wurde, mag dahingestellt bleiben. Tatsache ist aber – und darauf verweist nicht zuletzt der von Konstantin Nazlamov virtuos gezeichnete Auftritt des aalglatten Immobilienhändlers Müller –, dass die Thematik des Stücks in ganz ausserordentlicher Weise mit unseren Tagen zu tun hat.

«So etwas wie die Eigernordwand unter den Gipfeln schweizerischen Komponierens»

Der Komponist Hermann Meier in der Solothurner Ausstellung «Mondrian-Musik»

 

Von Peter Hagmann

 

Bild Paul Sacher-Stiftung Basel

Er ist weniger als ein weisser Fleck auf der Landkarte der neuen Musik. 1906 in Selzach bei Solothurn geboren, verbrachte Hermann Meier einen grossen Teil seines Lebens als Dorfschullehrer und fünffacher Familienvater in Zullwil (Kanton Solothurn). Nach dem Tod der Gattin und der Pensionierung zog er in die Romandie, von wo er in höchstem Alter nach Zullwil zurückkehrte. Dort ist er im Sommer 2002 gestorben. Dass sich Hermann Meier neben seiner soliden bürgerlichen Existenz als Komponist betätigte und zudem als einer, der höchst eigenwillig zur Spitze der damaligen Schweizer Avantgarde gehörte, davon weiss kaum jemand.

Von der Reihe zur Fläche

Seine Musik war lange so gut wie unbekannt; den Aufführungen standen die Schwierigkeiten ihrer klanglichen Realisierung im Weg. Auf Anraten Paul Sachers gab Meier 1949 seine erste Sinfonie für eine Orchesterleseprobe beim Schweizerischen Tonkünstlerverein ein. Die Musiker des Tonhalle-Orchesters Zürich sollen mit Gelächter und Gejohle reagiert, ihr Chefdirigent Volkmar Andreae beim Komponisten wortreich die Komplexität der Partitur gebrandmarkt haben. Auch Meiers Bemühungen beim Schweizer Radio oder beim Südwestrundfunk blieben ohne Ergebnis. Nachdem er von gewichtigen Entscheidungsträgern wie Rolf Liebermann oder Heinrich Strobel nur freundliche, aber eindeutige Absagen erhalten hatte, gab er das Geschäft auf. Nicht aber das Komponieren, das betrieb er weiter, wenn auch für die Schublade.

Bild Paul Sacher-Stiftung Basel

Und er tat es mit einer Intensität sondergleichen – so manisch, wie er alles aufschrieb, was ihm begegnete oder durch den Kopf ging: in säuberlich numerierten Schulheften, die er mit engzeiligen Notaten füllte. Über hundert Werke sind zwischen einem Stück für zwei Violinen von 1935 und letzten Skizzen aus dem Jahre 1999 entstanden. Nach Studien am Konservatorium und an der Universität Basel trat er in Kontakt mit Persönlichkeiten wie Albert Moeschinger und Erich Schmid, Wladimir Vogel und René Leibowitz. Hatte er sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Zwölftontechnik angeeignet, so ging er ab 1950, ganz auf der Höhe der Zeit, zur Serialität über – begann er also, nicht nur die Tonhöhen sondern auch die Tondauern, die Rhythmen und die Lautstärken mit Hilfe vordefinierter Reihen zu strukturieren.

Zur entscheidenden Wende kam es in den fünfziger Jahren, als Hermann Meier dem Künstler Max Bill begegnete und in einer Ausstellung des Zürcher Kunsthauses Piet Mondrian für sich entdeckte; auch die künstlerischen Sprachen von Paul Klee und Hans Arp zogen ihn an. Im Fahrwasser der Konkreten Kunst begann er sich vom System der herkömmlichen Aufzeichnung von Musik auf Notenlinien zu lösen. Sein Denken materialisierte sich in Feldern und deren geometrischen Anordnungen, und die Graphiken, die Meier dann jeweils wieder in konventionell notierte Partituren überführte, verwirklichten sich in einer Musik, in der Klangblöcke und Einzeltöne, aber auch improvisierte Passagen unvermittelt nebeneinander stehen. «Mondrian-Musik» nannte er die Werke aus dieser Schaffensphase. Kein Wunder, fand er von hier aus zur elektronischen Musik. Die «Klangschichten» für Tonband von 1976 brachten ihm ungewohnte öffentliche Resonanz ein, nämlich einen Preis des Kantons Solothurn und eine Aufführung dieses Stücks.

Auf dem Weg in die Öffentlichkeit

Eine neuerliche Hinwendung zur Instrumentalmusik führte 1983 der Bieler Pianist und Komponist Urs Peter Schneider herbei. Er bat Hermann Meier, den Entwurf eines elektronischen Stücks für zwei Klaviere einzurichten – was 1984 zu einer Uraufführung in der Berner Konzertreihe «Neue Horizonte» führte. In der Konzertankündigung schrieb Schneider damals durchaus treffend, Hermann Meier sei «so etwas wie die Eigernordwand unter den Gipfeln schweizerischen Komponierens.» Der Abend war auch so etwas wie der Startschuss zu einer zögerlichen, aber insistent vorangetriebenen Entdeckung des Komponisten. Schneider motivierte einige seiner Schüler wie den Zürcher Dominik Blum zum Studium von Meiers Werken; Blum hat denn auch 2000 bei Wandelweiser eine CD mit Musik Meiers vorgelegt. Dazu kam etwas später eine weitere CD auf dem inzwischen liquidierten Label «Musiques suisses» der Migros, auf der die Basel Sinfonietta unter Jürg Henneberger sowie das Ensemble Neue Horizonte Bern Orchesterwerke und Kammermusik Meiers aus den sechziger Jahren vorstellten. Langsam, langsam begann der Name in die Öffentlichkeit zu finden.

Und nun also: «Mondrian-Musik. Die graphischen Welten des Komponisten Hermann Meier». Die soeben eröffnete Ausstellung, welche die junge Zürcher Musikologin Michelle Ziegler für das Kunstmuseum Solothurn realisiert hat, bildet einen Höhepunkt in der Entdeckung Meiers – und im besten Fall einen Anstoss mit konkreten Folgen. Wie es dazu kam? 2009 übergaben die Kinder Hermann Meiers den Nachlass des Komponisten der Paul Sacher-Stiftung in Basel, wo die Musikwissenschafterin Heidy Zimmermann mit dessen Aufarbeitung betraut wurde. Das heisst: Sichtung, Ordnung, Erschliessung, Restaurierung – denn die Dokumente befanden sich teilweise in bedenklichem Zustand. Zwei Jahre später kam Michelle Ziegler dazu, die für eine Dissertation von Heidy Zimmermann auf Hermann Meier hingewiesen wurde. Aus dem Dissertationsthema wurde ein Unternehmen, das in Bern von der Forschungsabteilung der Hochschule der Künste und vom Institut für Musikwissenschaft an der Universität betrieben wurde; 2013 bis 2016 lief es unter der Leitung von Roman Brotbeck als Projekt des Schweizerischen Nationalfonds, dessen Ergebnisse die Ausstellung in Solothurn nun auslegt.

Denn, so Brotbeck, mit dem Abschluss von Projekt und Dissertation sollte es nicht zu Ende sein; die wissenschaftliche Arbeit sollte in die Öffentlichkeit ausstrahlen und Hermann Meier weiter bekannt machen. Das Kunstmuseum Solothurn mit seinem Konservator Christoph Vögele öffnete dem Vorhaben sein Graphisches Kabinett, die von Felix Meyer geleitete Paul Sacher-Stiftung besorgte die Aufbereitung des Materials und stellte weitere Leihgaben zur Verfügung, während eine Reihe von Geldgebern ein Rahmenprogramm ermöglichten, das den Komponisten fassbar machen soll. Dazu gehören Führungen, an die sich jeweils ein kurzes Konzert anschliesst, und andere Vermittlungsprojekte, dazu gehört aber auch ein Konzerttag zum Thema «Musik nach Bildern», bei dem sich Hermann Meier aus dem Kontext heraus klingend erleben lässt. Und nicht zuletzt ist zur Ausstellung ein von Heidy Zimmermann, Michelle Ziegler und Roman Brotbeck herausgegebener, reich illustrierter Katalog erhältlich, der, aus einem Symposion im Rahmen des Forschungsprojekts hervorgegangen, mit Grundlagen wie Biographie und Werkverzeichnis, aber auch mit einordnenden Betrachtungen aufwartet.

Stenogramm, Klebstreifen – und Musik zum Schauen

Grosszügig disponiert und zugleich hochinformativ ist die Ausstellung. Mit Photographien, Briefen, Zeitungsausschnitten lassen Vitrinen in den drei Räumen Leben und Persönlichkeit Hermann Meiers aufscheinen. Der Brief, mit dem der mächtige Heinrich Strobl dem Komponisten seine trockene Absage übermittelte, ist zu sehen, aber auch das Schreiben von Rolf Liebermann, aus dem trotz der Ablehnung Sympathie und Interesse hervorgehen – und natürlich darf auch die eindrucksvolle Unterschrift Paul Sachers nicht fehlen. Zu lesen ist auserdem, wie die Kritik, so etwas gab es damals noch, über die Orchesterleseprobe von 1949 schrieb. Mit einem leisen Erschrecken erblickt man eines der farbigen Diagramme Meiers vor der Restaurierung: auseinandergefallen, mit aufgebogenen Kanten, Rissen, Stücken vertrockneten Klebstreifens – wie solches auf dem Basler Münsterhügel von den dort tätigen Spezialisten aufbereitet wird, löst einmal mehr Bewunderung aus. Erheiternd nicht zuletzt der Fächer der Notizhefte und die Blätter mit den Notizen in jener Stenographie nach Stolze/Schrey, die sich die Musikforscherin zwecks Lektüre aneignen musste. Vielleicht hat sich da der Komponist in seinem Zullwiler Grab kurz ins Fäustchen gelacht.

Im Gang, der die drei Räume verbindet, wird der Kontext aufgezeigt. So wie er sich nach 1945 dem Denken in Reihen zugewandt hat, so stand Hermann Meier mit der Idee, seine klanglichen Vorstellungen in Graphik umzusetzen, keineswegs allein. Das zeigt eine Reihe grandioser Stücke aus der Paul Sacher-Stiftung, zum Beispiel die zarte Graphik, die Roman Haubenstock-Ramati zu seinen «Décisions» von 1961 zu Papier gebracht hat, oder der Ausschnitt aus dem Orgelwerk «Volumina» von György Ligeti. Dazu stellen sich in allen drei Räumen – nicht nur die ausgesprochen akkurate Notenhandschrift Meiers, sondern eben vor allem seine unglaublich schönen, tatsächlich an Mondrian erinnernden Diagramme. Mit ihren farbigen Rechtecken zeigen sie Verläufe der vom Komponisten imaginierten Musik an und vermitteln so einen Überblick über den formalen Verlauf. Zum Teil sind die Aufzeichnungen übereinander gelegt, zum Teil sind sie aneinander gehängt zu meterlangen Bändern – und wenn man sich auf die Blätter etwas einlässt, kann man sogar Strukturen erkennen, zum Beispiel Wiederholungen, Umkehrungen und dergleichen. Wer nicht zu glauben vermag, dass solches zu Musik führt, kann sich an einer Hörstation niederlassen. Da klingt dann, was an den Wänden farbig prangt.

«Mondrian-Musik». Die graphischen Welten des Komponisten Hermann Meier. Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn (bis 4. Februar 2018, Katalog im Chronos-Verlag, Zürich). Öffentliche Führungen mit Kurzkonzerten am 4. November um 16 Uhr und am 17. Dezember um 11 Uhr. Konzerttag «Musik nach Bildern» am 2. Dezember ab 13.30 Uhr.

Das Sutterle und sein «Carmen»-Tod

«Annas Maske» von David Philip Heftis Oper als Uraufführung in St. Gallen

 

Von Peter Hagmann

 

Eines Tages lag sie tot auf ihrem Bett, erschossen von einem einstigen Liebhaber, der in seinem Blut neben ihr auf dem Boden lag. Sie, das war Anna Sutter, die 1871 in Wil im Kanton St. Gallen geborene Sängerin, die mit zweiundzwanzig an die Hofoper Stuttgart kam, dort bis zu ihrem Tod 1910 blieb und in dieser Zeit zu einem Publikumsmagneten erster Güte wurde. In schauerlicher Verlängerung des Bühnengeschehens nach der Wirklichkeit hin erlitt sie das Schicksal Carmens, einer Figur, welche die Mezzosopranistin besonders liebte und oft verkörperte. Zugleich bündeln sich in diesem Fall jene Männerphantasien, die sich, romantischem Geist entstammend, um die Theaterkünstlerinnen rankten – um Frauen, die sich nicht dem Gesetz der Ehe unterwarfen noch ihr Leben als Fräulein verbrachten, sondern ihren selbstbestimmten Weg verfolgten. Was damals als ungeheure und deshalb auch erotisch aufgeladene Anmassung erschien, mutet von heute aus, da diese Autonomie im Prinzip jeder Frau offensteht, ein klein wenig verzopft an. Auch etwas bieder vielleicht, denn genau so, wie es Anna Sutter in ihren rasch wechselnden Beziehungen vorgemacht haben soll, mag sich der Opernliebhaber das Leben hinter dem Vorhang ausmalen: zügellos und verrucht.

So lässt es wenigstens die Novelle empfinden, in welcher der Schweizer Schriftsteller Alain Claude Sulzer 2001 den Fall Anna Sutter verarbeitet hat. Ihr Leben verlor die Sängerin durch die Hand des mässig erfolgreichen Dirigenten Aloys Obrist, der seiner Gattin überdrüssig war und nach nichts anderem dürstete als dem Besitz – ja, dem Besitz – der angebeteten Anna. Während einiger Zeit waren die beiden tatsächlich und in riskanter Verletzung ihrer Arbeitsverträge ein Paar gewesen; die Sängerin hatte sich freilich längst aus der Liaison verabschiedet, was der Dirigent in keiner Weise verstehen noch hinnehmen konnte. Keinen Akt der Selbsterniedrigung liess er aus, er machte sich zur allgemeinen Lachnummer – seine ehemalige Geliebte hatte dafür nur Hohn und Spott und zuletzt ein scharfes Nein übrig. So blieb ihm denn nichts als die Pistole: zwei Schüsse für sie, deren fünf für sich selber. Sehr melodramatisch klingt das, und tatsächlich ist «Annas Maske», so der Titel von Sulzers Novelle, zur Oper geworden. Am Wochenende ist das gleichnamige Stück des Schweizers David Philip Hefti als Auftragswerk des Theaters St. Gallen ebendaselbst zu erfolgreicher Uraufführung gekommen.

Hochästhetisch und dramatisch: «Annas Maske» in St. Gallen / Bild Iko Freese, Theater St. Gallen

Erfolgreich, weil aus der Novelle umstandslos ein packendes Libretto geworden ist. Alain Claude Sulzer ist es gelungen, die im Prosatext angelegte Struktur einer vielfach verschachtelten Rückblende und die einem Kriminalroman gleichende Spannung aufrecht zu erhalten. Er hat sie sogar noch geschärft, indem die Oper anders als die Vorlage nicht mit dem Abnehmen der Totenmaske, sondern mit der in der Novelle erst später offenkundig werdenden Liebe zwischen Pauline, der Haushalthilfe der Sängerin, und dem ermittelnden Polizisten Heid anhebt. Dass die Rückblende auf der Bühne so gut funktioniert, ist nicht zuletzt der szenischen Einrichtung durch die Regisseurin und Ausstatterin Mirella Weingarten zu verdanken, der hier eine famose Arbeit gelungen ist. Die Bühne ist schmal gehalten, in die Höhe gezogen und in drei Ebenen geteilt. Zuoberst aufgereiht der von Michael Vogel einstudierte Chor, der eher episodisch eingesetzt ist. In der Mitte die tote Anna, das alter ego, das zum Schluss in die Freiheit enteilt – die St. Galler Ballettdirektorin Beate Vollack bringt ihre Körpersprache da zu voller Geltung. Ganz unten schliesslich die Ebene, auf der sich in der Chronologie der Ereignisse die Rückblende abspielt.

Hochästhetisch wirkt diese Disposition in ihrer minimalistischen Formensprache und passend zu einem Stück, das einen bereits eingetroffenen und demnach bekannten Vorfall gleichsam analysierend herbeiführt. Sinnlich und sinnreich zudem die zu beiden Seiten angebrachten Türen, durch die scharf zeichnendes Licht einfällt, aus denen sich manchmal aber auch bloss Hände recken. Eine mächtige Flügeltür wird ausserdem als Video auf die hellgraue Rückwand projiziert – die Tür spielt ja eine zentrale Rolle im Plot. Hätte Pauline (Sheida Damghani), das gesteht die Zofe gleich zu Beginn und dann immer wieder, die Wohnungstür nicht geöffnet, das Verbrechen wäre nicht geschehen. Das Verbrechen, es bahnt sich in ungeschmälerter dramatischer Spannung an, denn auf der Bühne wird der szenische Effekt voll ausgekostet. Sprechend schon allein die von der Regisseurin entworfenen Kostüme. Anna Sutter trägt einen wallenden Umhang, wie er zur Diva gehört, darunter aber einen roten Unterrock – alles klar? Und Maria Riccarda Wesseling schafft mit ihrem kernigen Timbre und ihrer fabelhaften Bühnenpräsenz das Energiezentrum des Stücks.

Nicht weniger prägnant David Maze in der Partie des Hofopernintendanten Putlitz, der sich in seinen Geschäften mit der Diva nicht stören lassen will und darum den aufsässigen Dirigenten Obrist mit Donnerstimme des Hauses verweist. Diesen wiederum zeichnet Daniel Brenna mit seinem geschmeidigen Tenor als Karikatur seiner selbst. Auch Aloys Obrist hat sein alter ego, wenn auch in ganz anderer Art: in jener des Sängers Albin Swoboda, ebenfalls eines Tenors, und seines Zeichens Nachfolger in Annas Armen. Er ist bei Nik Kevin Koch ausgezeichnet aufgehoben. Das Ensemble und das Sinfonieorchester St. Gallen meistern die Partitur von David Philip Hefti, soweit das in einer ersten Begegnung wahrzunehmen ist, ganz hervorragend; der Dirigent Otto Tausk agiert mit Sinn für das Wesentliche und den grossen Bogen – das ist nicht wenig.

Hefti, Jahrgang 1975, ist in seinem ersten abendfüllenden Werk in hohem Mass sich selber treu geblieben. Wie in vielen seiner Werke gibt es auch in «Annas Maske» liegende Töne oder Klänge, um die herum erregte Bewegung herrscht. Ungewohnter sind die leeren Quinten, die sich glissandierend ineinander schieben und die den Schluss, nach den gewaltigen Tutti-Schlägen der tödlichen Schüsse, in eine ganz eigene Atmosphäre tauchen. Hefti beherrscht sein Handwerk virtuos, er kennt das Arsenal dessen, was die Avantgarde hervorgebracht hat, und bedient sich seiner äusserst phantasievoll. Dessen ungeachtet (oder gerade darum) kommt es immer wieder zu Momenten des Déjà-entendu. Der Passus duriusculus, die Folge absteigender Halbtöne, im Zusammenhang mit dem Tod gehört ebenso zu den Allgemeinplätzen, wie der Einsatz des Löwengebrülls zum Ausruf «Verfluchte Carmen!» eine tautologische Banalität darstellt. Und die gezackten vokalen Linien, sie tragen ebenso Staub des Gestrigen, wie es die auf die Spitze getriebene rhythmische Komplexität tut. Heftis Handschrift ist klar erkennbar; wenn sie noch genuiner eigenes Mass nähme, könnte sie nur gewinnen.

«Orest» von Manfred Trojahn im Opernhaus Zürich

Kreative Aneignung und pralles Theater

 

Von Peter Hagmann

 

Verlöscht ist das Licht, Stille verbreitet sich – da: ein gellender Schrei. So ist es im Theater, wenn es gut ist: wenn es vom scharfen wie vom geistreichen Effekt lebt. Und so ist es bei Hans Neuenfels, der jetzt für die Oper Zürich «Orest» von Manfred Trojahn auf die Bühne gebracht hat. Der Radikalinski von einst geht dem Einakter des 1949 geborenen Deutschen sorgfältig denkend wie kreativ deutend auf den Grund und setzt ihn in Bilder um, die er sensibel aus der Sache selbst, vor allem aus der Musik entwickelt. Das hochinteressante, musikalisch ausgesprochen attraktive Stück zeigt hier seine ganze Plausibilität – und es tut das deutlicher als bei der Amsterdamer Uraufführung von 2011 (https://www.nzz.ch/taten-und-ihre-folgen-1.13683501). Wesentlichen Anteil daran tragen die Philharmonia Zürich, die unter der Leitung von Erik Nielsen, dem Musikdirektor des Theaters Basel, zu prononcierter Formulierung findet, sowie ein vorzüglich zusammengestelltes Team an Sängerinnen und Sängern auf der Bühne.

Orest (Georg Nigl) im Fieberwahn / Bild Judith Schlosser, Opernhaus Zürich

Was zu Beginn ins Dunkel fährt, ist der Schrei Klytämnestras, die von ihrem Sohn aus Rache für den Mord an dessen Vater Agamemnon den tödlichen Streich empfängt. Der Schrei stammt aus einem anderen, gut hundert Jahre älteren Einakter; tatsächlich schreibt Manfred Trojahn fort, was in «Elektra» von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal ausgeführt ist. Gleich, wie es Heinz Holliger in seiner grossartigen, viel zu selten gespielten Oper «Schneewittchen» tat, und doch anders. Denn Holliger sann dem bekannten Märchen mit Hilfe eines Textes von Robert Walser nach, während sich Trojahn sein eigenes Libretto geschrieben hat. Er eröffnet sich so die Möglichkeit, den Mythos in ein persönlich gefärbtes Licht zu rücken.

Niedergedrückt und beinah zum Wahnsinn getrieben, so erscheint Orest mit seinen Schuldgefühlen zu Beginn des Stücks. Dort hat Apollo (Airam Hernandez) noch Verfügungskraft über den Muttermörder – mit einer Macht, die er am Ende verliert. Nachdem Orest dem Blick der jungen, unversehrten Hermione begegnet ist, weiss er, dass er seinen eigenen Weg gehen muss: ganz allein, in selbst verantworteter Autonomie. Auch ohne seine Schwester Elektra (Ruxandra Donose), die ihn für ihre Rache zu instrumentalisieren sucht. Insofern eignet Trojahns Oper durchaus ein aufklärerischer Zug, wofür man in diesen Zeiten der Reaktion und der Demagogie nicht dankbar genug sein kann. Mag sein, dass der sensationelle Erfolg, den das Stück an seiner Zürcher Premiere erzielt hat, auch damit zu tun hat.

Der Blickwechsel zwischen Orest und Hermione, dieser Schlüsselmoment des Stücks, wird von Hans Neuenfels ohne jede Aufregung, ganz natürlich aus den beteiligten Personen entwickelt. Hermione – Claire de Sévigné, eine junge Sängerin aus dem Opernstudio, erfüllt diese Partie gerade stimmlich mehr als überzeugend – sucht die Augen Orests, der weicht aber aus, bis er schliesslich doch den Kontakt wagt. Worauf es weder zum Auftritt eines Deus ex machina noch zum lieto fine kommt, sondern zum ruhigen Abgang Orests dem nun offenen Hintergrund zu. Da kommt ein Mensch zu sich selbst, der zu Beginn als krank vor Gram gezeigt wird. Aus dem ganzen Raum rufen die Erinnyen – es sind sechs Frauenstimmen und sechs Solo-Violinen – die Schuld in Erinnerung, die verstummte Klytämnestra liegt im Hintergrund der Bühne in ihrem blutverschmierten Laken, während Orest nicht weiss, wohin mit seiner Verzweiflung. Wie Georg Nigl das fasst, welche Spanne an stimmlichem Vermögen er ausschreitet und wie furchtbar er seinen stechenden Blick dahin und dorthin richtet, das raubt einem den Atem.

Auch darum, weil es von so eminent theatralischer Wirkung ist. Wie überhaupt an diesem Abend eine Theaterlust sondergleichen herrscht. Wenn Apollo, begleitet von den tiefen Tönen eines Heckelphons davon träumt, wie er Helena als Sternbild am Himmel fixiert, erscheint die schönste Frau der damaligen Welt in Person: hochtoupiert, blondiert, mit Sonnenbrille – und einem Kostüm, das exakt den vom Gott besungenen Sternenhimmel darstellt.

Helena (Claudia Boyle) und die Mannen / Bild Judith Schlosser, Opernhaus Zürich

Wenig später lässt Claudia Boyle, die diese Partie glänzend meistert, das Kostüm stehen und tritt aus ihm heraus wie aus einem Kleiderkasten. Schon öffnet sich der Bühnenhintergrund und lässt ein enormes Trojanisches Pferd sehen, aus dem sich ein Krieger in Vollmontur nach dem anderen abseilt: So wie Orests Schuld präsent ist, so gegenwärtig bleibt der mythologische Zusammenhang. Und so gesichert ist neben allem visuellem Effekt die Verständlichkeit des Geschehens, die in der durchwegs ausgezeichneten Diktion der Darsteller ihre Entsprechung findet.

Auch lässt die von Katrin Connan entworfenen Bühne immer wieder sehen, dass Trojahns Musik nicht durch Zitate, aber durch Assonanzen Kontakt aufnimmt zu Meilensteinen der Operngeschichte. Helena erscheint als ein Urweib wie Lulu, und so ist diesem Frauenzimmer ein Groom beigesellt, der rote Teppiche ausrollt, im entscheidenden Augenblick aber die Contenance verliert wie sein Pendant in Bergs Oper. Menelaos wiederum, von Andrea Schmidt-Futterer in einen scharf charakterisierenden Mantel von schwarzem Samt gehüllt, der in schwarze Handschuhe ausläuft, auf denen unzählige Goldringe blinken – Menelaos wird von Raymond Very pointiert als der opportunistische Politiker der Stunde gezeigt, zugleich aber auch als Ebenbild von Ägisth aus «Elektra» oder Herodes aus «Salome» von Strauss. Dabei tut sich weder hier noch sonstwo ein Widerspruch zu der vielschichtigen, sehr persönlichen Musik Manfred Trojahns auf. Weshalb man sich mit grossem Gewinn auf diese grandiose Produktion einlassen kann.

Tage für neue Musik Zürich 2016

 

Peter Hagmann

Klein-Donaueschingen, Fein-Witten

Verstreutes zu den Tagen für neue Musik Zürich

 

Sie brauchen sich keineswegs zu verstecken, die Tage für neue Musik Zürich, auch nicht vor den Donaueschinger Musiktagen oder den Wittener Tagen für neue Kammermusik. Natürlich wird im grossen Kanton mit anderen Kellen angerichtet, zumal mit dem Südwestrundfunk in Donaueschingen und dem Westdeutschen Rundfunk in Witten zwei mächtige Radiosender mit langjähriger Tradition im Bereich der musikalischen Avantgarde mit im Boot sind. In der little big city werden im Vergleich dazu kleinere Brötchen gebacken. In Zukunft erst recht, soll das Zürcher Festival für die Speerspitze der Kunstmusik fortan doch bloss noch jedes zweite Jahr, als Biennale also, von der Stadt Zürich durchgeführt werden – mehr erlaube der Kassenstand nicht. Dienlich ist da vielleicht der Blick nach Venedig. Dort gibt es die Biennale Musica, die auch der neuen Musik gewidmet ist und ebenfalls im Herbst stattfindet. Dies allerdings jedes Jahr…

Ein Schritt zurück

Braucht es die Tage für neue Musik Zürich überhaupt? Die Frage ist vielleicht nicht ganz unberechtigt, hat das aktuelle musikalische Schaffen inzwischen doch eine bemerkenswerte Präsenz erreicht, sogar in Zürich. Noch ist die Musik nicht so weit wie die Bildenden Kunst, wo Ausstellungen aus dem Bereich der Moderne mehr Besucher anziehen als solche mit alter Kunst. Aber die Donaueschinger Musiktage werden seit vielen Jahren vom Publikum förmlich gestürmt; manche Konzerte finden dort mit einer Platzbelegung von 110 Prozent statt. Selbst das Tonhalle-Orchester Zürich wagt sich, angestachelt von seiner Intendantin Ilona Schmiel, hie und da in ungewohnte Gefilde – hier freilich stets noch mit vermindertem Publikumszuspruch. Erheblich gewachsen ist auch die Szene der freien Ensembles, die offen sind für das Neue. Und für viele Musikerinnen und Musiker, die an der Zürcher Musikhochschule nachrücken, reicht das Spektrum des Interesses selbstverständlich bis zur Jetztzeit.

Vor dreissig Jahren, als die beiden Komponisten Thomas Kessler und Gérard Zinsstag in einer äusserst verdienstvollen, damals geradezu revolutionären Tat die Tage für neue Musik begründeten, war das anders. Damals war das Angebot an neuer Musik in Zürich ausgesprochen schmal. Und damals hat das Tonhalle-Orchester eine als äusserst gewagt empfundene Aufführung der Turangalîla-Sinfonie von Olivier Messiaen noch durch eine Pause bereichert. Darum handelte Roman Hess nicht weniger weitblickend, als er das Festival 1994 – Kessler und Zinsstag hatten aus verständlichen Gründen als Veranstalter an Energie verloren – unter die Fittiche der städtischen Kulturverwaltung nahm. Der Musikwissenschaftler René Karlen, der im Zürcher Präsidialdepartement für die Kunstmusik eintritt, führte dann das Kuratorenmodell ein. Es brachte den jährlichen Wechsel in der künstlerischen Leitung mit sich und führte damit zu einem Verlust an Kontinuität, aber auch zu einer rasch wechselnden Folge unterschiedlicher persönlicher Handschriften.

Dass nun gerade hier ausgedünnt wird, ist – bei allem Verständnis für die sogenannte Finanzlage – sehr bedauerlich. Wenn in den Zwischenjahren die Partner der Tage für neue Musik selbständig für Ersatz sorgen wollen, wird rasch die Frage aufkommen, ob das Festival als solches nicht ganz aufgehoben werden kann. Externalisierung wird das im Kommerziellen, Privatisierung im Politischen genannt, und man weiss, was es für Verluste mit sich bringt. Das wäre dann ein echter Rückschritt. Denn das geballte Angebot eines sehr verlängerten, sehr dicht besetzten Wochenendes bringt entschieden Gewinn – die diesjährige Ausgabe der Tage für neue Musik Zürich hat es wieder unter Beweis gestellt. Natürlich war durch die Idee, das dreissigjährige Bestehen der Institution zu begehen, manches vorgegeben, so dass Hans-Peter Frehner, dem Kurator dieses Jahres, der mit dem von ihm gegründeten Ensemble für neue Musik Zürich schon an der ersten Ausgabe mitgewirkt hat, weniger Spielraum blieb als Kuratoren früherer Jahren Indessen waren die Eindrücke wieder sehr vielfältig, gab es erneut reichlich Horizonterweiterungen, Entdeckungen und Überraschungen.

Pionierzeiten

Zum Beispiel schon im Vorprogramm. Ein Podium bekam da Peter Révai, der sich ebenfalls seit dreissig Jahren in Zürich um die Vermittlung von Musik bemüht, die den Computer miteinbezieht. In einem Abendkonzert stellte er vier Stücke vor, die sich digitale Technik in verschiedener Weise zunutze machen – indem sie mittels Computer den Notentext berechnen, natürlich erzeugte Klänge erweitern oder künstliche Klänge erzeugen. Zum einen zeigte sich, wie wagemutig Iannis Xenakis in «Theraps» (1976) oder Julio Estrada in «Yuunohui’nahui» (1988), beide Stücke sind für Kontrabass solo geschrieben, den Tonraum erweitert haben – Nicolas Crosse beeindruckte da durch eine Virtuosität ganz eigener Art. Zum anderen konnte man liebevoll auf einen Versuch blicken, wie ihn Marco Stroppa in «Traiettoria» (1985) für Klavier und computergeneriertes Tonband unternommen hat. Was der Pianist Florian Hoelscher zustande brachte, war atemberaubend; was aus dem Lautsprecher kam, klang dagegen nach längst vergangenen Pionierzeiten – ohne die freilich nichts möglich geworden wäre. Ähnliche Eindrücke hinterliess tags darauf im Grossmünster die Rekonstruktion von «Le Poème électronique», einer multimedialen Installation, die Le Corbusier, Iannis Xenakis und Edgar Varèse für den Pavillon des Philips-Konzerns an der Weltausstellung von 1958 in Brüssel entworfen hatten. Visionär wirkte der Versuch, Visuelles, Akustisches und Räumliches zu einer Einheit zusammenzufügen; die Diaprojektoren lösten zugleich nostalgische Gefühle aus. Dass dieses Gemeinschaftswerk ans Licht gehoben werden konnte, ist eines der Verdienste Révais.

Jede Musik, auch die allerneuste wird und schafft Geschichte – das erlebbar zu machen, darf durchaus auch Teil eines Festivals sein, das de Aktualität auf der Spur ist. Die «Musica» in Strassburg und «Wien modern» machen vor, wie aufschlussreich und anregend Repertoirepflege im Bereich der neuen Musik sein kann. In Zürich wurde dies auch durch die Anwesenheit von Liza Lim geleistet, der fünfzigjährigen Komponistin aus Australien, die auch hierzulande nicht ganz unbekannt ist. Hans-Peter Frehner hat sie als «composer in residence» eingeladen und als ganz eigene Farbe ins Programm eingeschleust. Im Eröffnungskonzert mit dem Ensemble für neue Musik Zürich gab es eine Uraufführung («The turning dance of the bee»), während eine (allerdings sehr spärlich besuchte) Sonntagsmartinee im Toni-Areal Türen zum kammermusikalischen Schaffen öffnete. Übers Knie gebrochen konnte man nach dieser stillen, aber eindringlichen Matinee sagen, dass Liza Lim klar einem avantgardistischen Idiom verpflichtet bleibt, dass es der von Martina Schucan vorbereiteten Gruppe von Studierenden an der Zürcher Musikhochschule zum Teil aber eindrücklich gelungen ist, in den Interpretationen persönliche Farben aufscheinen zu lassen. Und ohne Interpretation bekanntlich keine Musik, auch keine neue.

Aus der Taufe gehoben

Herzstück der Tage für neue Musik Zürich 2016 bildeten aber die nicht weniger als zehn Uraufführungen, die im Programm versammelt waren – tatsächlich fast wie in Donaueschingen oder in Witten. Die Idee des diesjährigen Festivals bestand darin, zum Jubiläum alle künstlerischen Leiter der letzten drei Jahrzehnte mit neuen (beziehungsweise neueren) Stücken oder als Interpreten zur Wort kommen zu lassen. So wurde im Orchesterkonzert, dem Beitrag des Tonhalle-Orchesters zu den Tagen für neue Musik Zürich, eine Partitur von Thomas Kessler («Utopia III»), bei der jedes Orchestermitglied zusätzlich zu seinem Instrument einen Laptop zu bedienen hatte, aus der Taufe gehoben und wurde von Gérard Zinsstag «Empreintes» von 2003 vorgestellt. Unmittelbar danach schlossen sich Uraufführungen von Bettina Skrzypczak («Riss») und Moritz Müllenbach («am and fm in dab times lost themselves streaming with friends») an, und hier traten zu der Cellistin Martina Schucan der Saxophonist Marcus Weiss und der Pianist Christoph Keller.

Besonders vielfarbig geriet der Auftritt des Collegium Novum Zürich, an diesem Abend unter der wie stets souveränen Leitung von Jonathan Stockhammer. In einem ausnehmend schönen, dabei sich in keinem Augenblick anbiedernden «Notturno» nimmt Sebastian Gottschick Materialien aus dem Fundus des Repertoires in die Hand, um phantasievoll und verspielt mit einzelnen Gesten zu arbeiten, die er daraus gewinnt. Nadir Vassena wiederum legt in «Vox vocis, ein Stimmenkatalog» einen Teppich aus, auf dem Mats Scheidegger, Virtuose auf der E-Gitarre, zusammen mit einem Ensemble seine Kunst und die klangliche Vielfalt seines in der komponierten Musik nicht eben häufig anzutreffenden Instruments ausbreiten kann. Ganz besonders wirksam aber «Esquisse: le froid» von Walter Feldmann, der die Tage für neue Musik nach Kessler und Zinsstag während eines ganzen Jahrzehnts geprägt hat. Feldmann, nicht nur Komponist, nicht nur Flötist, sondern auch Sprachwissenschaftler, holt sich Prinzipien der Konstruktion aus Texten, in diesem Fall von der französischen Autorin Anne-Marie Albiach, und setzt sie in Klang um. In einer eigenartigen Weise ist in seinem Stück strenge Struktur zu spüren, und zugleich tut sich eine äusserst sinnliche Farbenwelt auf, die von einem Marimbaphon (Jacqueline Ott als Zauberin darauf) sowie einem Flügel und einer Harfe gestützt und erweitert wird. Neue Musik kann ganz schön spannend und gleichzeitig spannend schön sein.